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Lernen am Ort des Grauens
Nachdenklich lauschten die Schüler des Religionskurses der Klasse neun den Informationen zu Auschwitz per Kopfhörer.
Büchen – Erstmals besuchten Schüler der Gemeinschaftsschule Büchen Auschwitz. Das war nur möglich durch Förderung der Axel-Bourjau-Stiftung in Büchen.
Der Blick in das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte in Auschwitz war auch für die Schüler eines Religionskurses der Gemeinschaftsschule Büchen ein Wagnis.
Das Mindestalter von 14 Jahren hatten viele erst gerade überschritten. Vier Tage vor Ort im Februar: Lehrerin Sibylle Draber ließ niemanden allein, hatte die Schüler intensiv vorbereitet, auch mit einem Zeitzeugenbericht einer Insassin des Lagers Birkenau. Drei Gruppen wurden gebildet zu den Schwerpunkten Stammlager, Birkenau und „Juden und Christen in Auschwitz und Umgebung“. Die Schüler notierten in Tagebüchern ihre Eindrücke und verarbeiteten Schockierendes in Gesprächen.
„Begreifen kann man das nicht. Die junge Generation trägt nicht die Verantwortung für das, was passiert ist, sondern trägt die Verantwortung zu erinnern“, sagt die Lehrerin. Jeder der Schüler kann jetzt sagen, er habe den Ort des Grauens mit eigenen Augen gesehen. „Selbst wenn man dort war, kann man sich nicht vorstellen, wie es gewesen sein muss“, berichtet Oliver Kohn (15).
Holocaust und Nationalsozialismus sind ein ganz wichtiges Thema von mindestens einem halben Jahr an der Gemeinschaftsschule. Seit drei Jahren und solange es noch möglich ist, besuchen auch Zeitzeugen die Schule. Kulturpfleger Dr. Heinz Bohlmann referiert über Büchen im Krieg. Jedes Jahr gibt es Fahrten zum nahen Konzentrationslager Neuengamme in Hamburg und zum Bullenhusener Damm in Rothenburgsort, wo Kinder von Nazis nach medizinischen Versuchen ermordet wurden.
Die Fahrt nach Auschwitz sollte nach Möglichkeit wiederholt werden, findet Schulleiter und Geschichtslehrer Dr. Harry Stossun. Zu den Schülern sagte er: „Wir haben auch in Büchen Unrecht erlebt, bei dem Menschen zu Tode gekommen sind.“ Die junge Generation der Schüler könne sich engagieren, indem sie helfe, die Zwangsarbeitergräber in Büchen-Pötrau gärtnerisch zu pflegen, nicht im Sinne von Arbeit, sondern als symbolischen Akt. „Wenn jeder mitarbeiten würde, wäre das gut zur Aufarbeitung“, sagte Stossun. Geschichte passiere auch vor der Haustür. Religionslehrerin Sibylle Draber erinnerte an das schwierige Verhältnis heute zwischen Christen und Muslimen. Wer differenziere, nicht verallgemeinere und nicht übertreibe, verhalte sich richtig gegenüber den muslimischen Mitschülern.
Natalie Tum und Vanessa Strube bedankten sich herzlich bei Sybille Bourjau mit Schokolade aus Krakau. Die Axel-Bourjau-Stiftung hatte die erste Fahrt der Schule nach Auschwitz ermöglicht.
Von Marc von Kopylow
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